Sterbehilfe - Magensonde einfach durch geschnitten

Veröffentlicht auf von Anneliese

Eine 54-Jährige konnte ihre 77-jährige Mutter, die seit fünf Jahren im Wachkoma lag, nicht mehr leiden sehen. Da schnitt sie die Magensonde durch, mit der ihre Mutter ernährt wurde – auf Rat des Anwalts Wolfgang Putz. Jetzt stehen die beiden vor Gericht.Die Mutter kam in die Klinik, dort wurde eine neue Sonde gelegt. Die Kinder erhielten nach Auskunft der Tochter ein Besuchsverbot. Zwei Wochen später, am Tag, als die Frau in ein Hospiz kommen sollte, starb sie.
Als ich diesen Beitrag  im Internet gelesen hatte konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln.Ein Anwalt rät dazu bei einer Komapatientin die Magensonde mit der sie ernährt wird einfach den Schlauch abzuschneiden.Dümmer geht es wohl nicht mehr. Zum einen kann es ja nicht sein das da jeder her gehen kann und die benötigte Magensonde einfach so zu entfernen. Für mich gehört der Anwalt ganz klar vor Gericht, denn er hat damit bewußt einen anderen Menschen zur gefährlichen Körperverletzung angestiftet.
Das bringt auch nichts ausser zusätzliche Kosten für das legen einer neuen Sonde.
Ich betreue zur Zeit auch eine Bewohnerin im Wachkoma mit Magensonde und Tachealkanüle.
Und ich denke das dieser Fall wieder einmal zeigt was für ein schwieriges Thema die Sterbehilfe ist.
Soll man jetzt jeden sterben und verhungern lassen weil Angehörige der Meinung sind zu wissen das dieser Mensch sterben will? Das einzige was wirklich zählt ist eine Patientenverfügung. Fast immer werde ich von Notärzten danach gefragt bevor sie überhaupt etwas am Patienten machen. Das Risiko ist einfach zu groß das mit der Sterbehilfe Mißbrauch betrieben wird.
Ich habe keine Probleme damit wenn ich weiß das ein Mensch Sterben will und das auch klar erkennbar ist. Aber ich habe Probleme damit wenn andere entscheiden wann ein Leben als wertlos zu gelten hat.

Update
Heute ist das Urteil ergangen: Strafe für den Anwalt , Freispruch für die Tochter
Im Prozess um aktive Sterbehilfe hat das Landgericht Fulda am Donnerstag eine 54-jährige Frau aus Kassel vom Vorwurf des versuchten Totschlags freigesprochen. Den mitangeklagten Anwalt aus München verurteilte das Gericht zu neun Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldbuße von 10000 Euro. Weitere 10000 Euro muss der Anwalt an den Hospizverein in Fulda zahlen. Auf Anraten des Anwalts hatte die Frau den Ernährungsschlauch ihrer 76-jährigen Mutter gekappt, die seit fünf Jahren im Wachkoma gelegen hatte. Damit habe sie ihrer Mutter ein würdevolles Sterben ermöglichen wollen.

Veröffentlicht in Tod und Sterben

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Holzmichel 05/10/2009 10:41

Ich habe den Fall auch gelesen. Das Urteil gegen den RA ist nicht rechtskräftig, hat Berufung eingelegt. Er wird wahrscheinlich dann freigesprochen.RA Putz wollte diesen Prozess, er hat diesen provoziert m. Ansicht nach. Damit soll der Gesetzgeber ermuntert werden schneller ein neues Gesetz zu machen. Der Wille der Person ist massgebend. Ich möchte auch nicht dahinvegetieren.Schönen Muttertag und schöne ZeitServus Richard

Iris 05/05/2009 11:36

Stimme dir in Punkto Sterbehilfe völlig zu. Eine Patientenverfügung und auch eine Vorsorgevollmacht sollte jeder für sich anfertigen, solange er klar bei Verstand ist. Ich habe beides seit ich krank geworden bin. Weiß nicht, ob ich sonst daran gedacht hätte. Mein Mann schiebt es jedenfalls immer noch vor sich her. Gesunde Menschen wollen wohl einfach nicht so weit vorausdenken. Leider! LG Iris

Balrog 05/01/2009 11:19

Heißes Thema. Ich wollte es nicht entscheiden. Ohne Patientenverfügung ist das sehr schwer..... Dem Anwalt geschieht es recht. Obendrein war es wohl ein dummer Vorschlag.
So ein Schlauch dürfte rasch neu gelegt werden...... Das müsste man schon schlauer anstellen was aber die üblichen Fragen wieder aufwirft.....