Lost - 6. Staffel

Veröffentlicht auf von Anneliese

In der sechsten Staffel wurde ein neuer Erzählstil hinzugefügt und spielt neben der nun wieder linearen Inselhandlung, nachdem beide Zeitlinien mit der Explosion der Wasserstoffbombe wieder zusammengeführt wurden. Die von offizieller Seite genannten „flash-sideways“ handeln in einer alternativen Zeitschiene und bieten eine von der bisherigen Serie weitgehendst autonome Handlung. Die Protagonisten der Serie fliegen hierbei unbeschadet über die unter Wasser liegende Insel hinweg und erreichen ordnungsgemäß Los Angeles. Dabei fallen die Charaktere in ihre typischen Verhaltensmuster aus der ersten Staffel zurück und stehen vor neuen Problemen, denen sie durch den Absturz auf der Insel entgangen sind. Es gibt jedoch Abweichungen zwischen den Zeitlinien, die nicht erst aus dem fehlenden Absturz resultieren, sondern bereits vor dem Flug bestanden.

Mit welchem Hintergedanken dieser Erzählstil benutzt wird, ist offiziell nicht erklärt worden. Doch kann man daraus sehr gut ein „Was-wäre-wenn-Flug-815-nicht-abgestürzt“-Wäre ableiten. Es wird offensichtlich, wieso die einzelnen Personen auf der Insel bleiben wollten, welches Leben sie fernab der Insel erlebt hätten und wie sie sich auf der Insel verändert haben. Auf der anderen Seite ebnet die Erzählweise und der Übergang der Erzählweisen in der Episode den Eindruck, dass die alternative Handlung das Ergebnis der Inselhandlung der 6. Staffel ist.

Markant an der alternativen Realität ist die Spiegelung der Prozesse, die die Charaktere in der Insel-Realität durchlaufen. Während Sayid Jarrah in der alternativen Realität verzweifelt versucht, seine dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen und keine neuen Greueltaten zu begehen, tut er es auf der Insel aus einem vermeintlich freien Willen heraus, um die Frau seiner Träume zurückzuerhalten. In der alternativen Handlung kämpft er bis zuletzt gegen seine dunkle Seite an, tötet dann aber aus Rache und um mit der Sache abzuschließen die Kredithaie, die seinen Bruder ins Krankenhaus prügelten. Ein strebsamer Benjamin Linus hat dagegen in der alternativen Realität die Chance, den für die Schule schlechten Rektor zu erpressen und damit seine Stelle zu ergattern, um die Dinge auf der Schule zum Guten hin zu wenden. Als der Rektor aber daraufhin damit droht die Schülerin Alex Rosseau den weiteren Bildungsweg durch ein negatives Empfehlungsschreiben zu verbauen, zieht er aus einem schlechten Gewissen heraus zurück und entscheidet sich gegen den Egoismus und gegen die Macht. Auf der Insel hingegen hat Ben all seine Macht verloren, die er zuvor durch egoistische Handhabung aufgebaut hatte. Dabei lässt er Revue passieren, dass er seine Tochter für die vermeintliche Machterhaltung opferte und erst später erkannte, dass ihm Alex tatsächlich das Wichtigste gewesen war.

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