Werther-Effekt nach der intensiven Berichterstattung über Enke

Veröffentlicht auf von Anneliese

Der Begriff Werther-Effekt wurde 1974 von dem amerikanischen Soziologen David Philipps eingeführt, der als erster Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der Berichterstattung über Suizide prominenter Personen und der Suizidrate der Bevölkerung nachweisen konnte. Er recherchierte, über welche Selbsttötungen Prominenter die New York Times zwischen 1947 und 1967 auf der Titelseite berichtet hatte – es waren 33 Fälle – und untersuchte die amtlichen Statistiken über Todesfälle auf mögliche Auswirkungen auf die Suizidrate. Philipps stellte in allen Fällen einen Anstieg der Rate fest. Die Zahl der Nachahmungstäter war umso höher, je prominenter der Suizident war.

In Deutschland wurde der Werther-Effekt von zwei Psychologen im Zusammenhang mit dem mehrteiligen ZDF-Film Tod eines Schülers im Jahr 1981 nachgewiesen. Die Hauptfigur bringt sich um, indem sie sich vor einen Zug wirft. Die sechs Folgen erzählen die Vorgeschichte der Selbsttötung aus verschiedenen Perspektiven, der Moment des Suizids wird zu Beginn jeder Folge gezeigt. Während der Ausstrahlung der Serie nahm die Suizidrate unter 15- bis 19-jährigen männlichen Schülern im Vergleich zu den Jahren davor und danach um 175 Prozent zu.
Robert Enke wurde durch die Medien zu einer Symbolfigur empor gehoben Der Werther-Effekt könnte viele dazu verleiten sich selber zu Töten auf die gleiche Art und Weise.

Veröffentlicht in Tod und Sterben

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